Solibund e.V. 

Interkulturelles Zentrum in Köln-Porz

Geschichte des Solidaritätsbundes  “SOLIBUND e.V.”

Der Verein „Solidaritätsbund der Migranten e.V.“ wurde am 1. April 1993 gegründet und hat seitdem seinen Sitz im Stadtteil Porz. 

Laut Satzung verfolgt der Verein gemeinnützige Wohlfahrtszwecke und entwickelt für Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien spezifische Bildungsangebote, die die Integration in die Mehrheitsgesellschaft erleichtern sollen, gleichzeitig jedoch die eigene kulturelle Identität wahren sollen. Die Förderung der Völkerverständigung u.a. durch Organisation interkultureller Begegnungen gehört zu weiteren Satzungszielen.  

Das Selbstverständnis der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder geht jedoch weit über die Satzung hinaus: ihnen geht es um die Wahrnehmung der Interessen von Migranten und die Bereitstellung von Hilfsangeboten bei Problemen jedweder Art, die diese in Deutschland haben. Der Verein fällt damit innerhalb der Migrantenselbstorganisationen in eine ganz bestimmte Kategorie: er gehört zu den Vereinen, die das Konzept der „sozialen Selbsthilfe“ verfolgen. Selbsthilfeangebote, die sich allerdings nicht nur an den eigenen Mitgliedern, sondern an einen größeren Kreis von Betroffenen richten.

Der Solidaritätsbund hat heute 680 Mitglieder, die meisten von ihnen leben in Porz. Der Verein ist nicht parteilich gebunden und er ist nicht religiös orientiert, obwohl viele seiner Mitglieder gläubig sind. Er erhebt einen Mitgliedsbeitrag von 10 € im Monat. Dieser Beitrag wird freiwillig, das heißt auch nicht von allen Mitgliedern gezahlt, zurzeit von etwas über 50 Mitgliedern.

Nach Auskunft des Geschäftsführers des Bundes wurden in den ersten Jahren nach der Gründung überwiegend Migranten der 1. Generation Mitglieder. Menschen also, die in den 60er und 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland gezogen waren. Diese Vereinsmitglieder sind jetzt kurz vor dem oder im Rentenalter. Sie beziehen bereits Rente und (oft) ergänzende Sozialhilfe, weil die Rente nicht ausreicht oder sie warten auf die Rente, sind in den letzten Jahren arbeitslos geworden. Diese Menschen sprechen in der Regel nur sehr schlecht Deutsch, denn sie haben keine Sprachkurse besucht. Das gilt auch für ihre Frauen, die nachzogen. 

Im Laufe der Jahre veränderte sich die Mitgliederstruktur. Heute sind etwa 40% – 60% der Mitglieder jünger. Es sind auch Menschen darunter, die bereits als Kinder nach Deutschland kamen, hier zur Schule gegangen sind und deren Deutschkenntnisse deshalb besser sind. 80% der Mitglieder sind Migrantenfamilien. Die Mitgliedschaft umfasst immer auch die ganze Familie. So auch die Frauen, die hierher verheiratet werden, Heiratsmigrantinnen also, die in der Regel zunächst über gar keine Deutschkenntnisse verfügen.

Die Mitglieder kommen zum größten Teil aus Arbeiterfamilien. Der größte Teil ist berufstätig oder (gerade) arbeitslos geworden. Auch die Frauen, die länger hier sind, sind in der Regel berufstätig – zumindest einige Stunden in der Woche.

 

Die Sozialberatung

Kern des Angebots des Solidaritätsbunds war bis Ende 1998 die Sozialberatung, die den Verein im Stadtbezirk, aber auch weit darüber hinaus bekannt machte und die der Verein seit seiner Gründung engagiert verfolgt. Er füllte damit eine Marktlücke im „Angebot“ der Migrantenselbstorganisationen, die die Sozialberatung bis dahin weitgehend den deutschen Wohlfahrtsverbänden überlassen hatte (oder überlassen musste).

Die Sozialberatung geht auf das ehrenamtliche Engagement einiger Gründungsmitglieder zurück, die vor 1993 erst im privaten Umfeld, dann etwas gezielter – aber immer noch im informellen Rahmen – Hilfe beim Umgang mit Behörden anboten. Mit dem Fahrrad fuhren sie von Café zu Café, wo sie mit einer Schreibmaschine „bewaffnet“ anderen türkischen Migranten dabei behilflich waren, Behördenangelegenheiten in Angriff zu nehmen. Einer der damaligen Geschäftsführer des Solidaritätsbundes wurde dadurch im Porzer Stadtgebiet so bekannt, dass er von der örtlichen Moschee auf Wunsch der Gemeinde für einige Zeit lang zur Sozialberatung eingestellt wurde. 

Der Verein zählte daher bei seiner Gründung 1993 bereits 83 Mitglieder, die vor allem über die ehrenamtliche Beratungstätigkeit zusammengefunden hatten.  

Da es keine andere türkische Migrantenselbstorganisation in Porz gibt und gab und – wie die Geschäftsführung es beschreibt – viele Migranten „aus Angst vor extremen politischen Richtungen“ sich nicht oder nur selten an die türkischen Migrantenorganisationen im übrigen Stadtgebiet wenden, war der Solidaritätsbund aufgrund des Sozialberatungsangebots offensichtlich in einer relativ kurzen Zeit in den Netzwerken der türkischen Migranten im Bezirk fest eingebunden.

Anfangs ging es in der Beratung hauptsächlich um die Probleme der 1. Generation: um Hilfeleistungen bei der Beantragung der Rente oder der Schwerbehinderung etwa, daher auch der hohe Anteil von Mitgliedern aus der 1. Migrantengeneration im Verein. Schnell jedoch wurde die Sozialberatung bei Fragen bzw. sprachlichen Unsicherheiten im Umgang mit deutschen Behörden und Institutionen überhaupt genutzt. Übersetzungen von Behördenbriefen und Hilfestellung bei der Formulierung von Antworten, Begleitung von Menschen zum Sozialamt oder zum Arbeitsamt, zum Arzt oder Anwalt, Betreuung von Menschen in persönlichen Krisen oder familiären Konflikten – all das übernahm und übernimmt die Sozialberatung, die – auch heute noch – zum großen Teil ehrenamtlich geleistet wird, manchmal auch im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Von 1993 bis 1995 mietete der Verein ein kleines Büro im Stadtteil Porz, das er vor allem für die Beratung nutzte. Es waren ausschließlich Mitglieder auf ehrenamtlicher Basis im Verein tätig. 1995 wurde der Verein von der Stadt Köln als Ausländerzentrum und damit als förderungswürdig anerkannt. Er erhielt von 1995-1997 von der Stadt Köln erst jährlich 10.000,– DM, 1997 dann 8.000,– DM (dazu später). Außerdem kam der Solidaritätsbund in den Genuss einer Anschubfinanzierung für Migrantenselbstorganisationen, die von der Europäischen Union gezahlt wurde.

 

Der Bund konnte mit dieser Unterstützung in ein 170 m² großes Büro am Porzer Markt (Stadtteil Porz) umziehen und seine Angebote erweitern. Personell ermöglicht wurde das auch durch die ABM-Stellen, die das Arbeitsamt seit 1995 jährlich bewilligt. Im neuen Büro bot der Verein neben der Sozialberatung Hausaufgabenhilfe für Kinder an, bemühte sich um Deutschkurse vor allem für Frauen und verstärkte seine Arbeit mit und für Senioren. Nach wie vor kamen Besucherinnen und Besucher aber in erster Linie wegen der Sozialberatung, von der sie durch Mundpropaganda: nämlich in der Moschee oder von der Freundin einer Freundin oder vom Großvater des Nachbarkindes gehört hatten. Waren sie mit der Beratung zufrieden, begannen manche Menschen die übrigen Angebote des Solidaritätsbundes zu nutzen oder wurden Mitglied im Verein.

 

Im „Tätigkeitsbericht 1995-1999“ des Solidaritätsbundes heißt es: „In der Zeit von Jan. 95 – Aug. 97 wurden 7.328 Personen beraten und insgesamt 12.319 Briefe geschrieben“ – was, falls es den Tatsachen entspricht, eine verblüffend hohe Anzahl von Beratungen wäre. Der Verein bearbeitet soziale Probleme und Konflikte, die Migranten mit Behörden/Institutionen haben. Er setzt nicht auf die Interessensvertretung durch andere, durch die großen Verbände, sondern bemüht sich die Interessen seiner Mitglieder selbst wahrzunehmen. Neben der Beratungstätigkeit versucht er mit politischen Mitteln auf Entscheidungen der Verwaltungsbehörden Einfluss zu nehmen bzw. Probleme der Mitglieder öffentlich zu machen.

Ein Beispiel: Frau G. war 92 Jahre alt und pflegebedürftig. Seit 1989 bezog sie in der BRD Hilfe zum Lebensunterhalt. 1994 versuchte die Ausländerbehörde sie deswegen in die Türkei abzuschieben. Der Solidaritätsbund stellte im Rahmen einer Kampagne gegen eine Abschiebungswelle von Migranten, zu denen auch Frau G. gehörte, 1994 für sie Petitionsanträge beim Petitionsausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen, beim Petitionsausschuss des Bundestages und des Europäischen Parlaments. Frau G. wurde schließlich vom Land Nordrhein-Westfalen eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen erteilt.

Die vom Ministerium für Arbeit in NRW in Auftrag gegebene Studie über Migrantenselbstorganisationen führt aus, dass die deutsche Öffentlichkeit diesen Organisationen lange Zeit mit Misstrauen begegnete. Danach begann man zwar die Integrationsleistungen, die sie vollbringen anzuerkennen, ignorierte jedoch ihre Beiträge zur Sozialberatung und gab ihnen auch weiterhin kaum politische Partizipationsrechte.  

Der Solidaritätsbund kritisiert (öffentlich) diese fehlenden Rechte und tritt – vehement – für eben diese politischen Partizipationsrechte ein. Es zeigt sich, dass er sich damit Konflikte einhandelt:

Bereits im Vorfeld der Gründung des Solidaritätsbund kamen seine Gründungsmitglieder wegen der Sozialberatung in Konflikt mit der Porzer Sozialverwaltung. Diese warf ihnen Verstoß gegen das Rechtsberatungsgesetz vor und bereitete dem Verein solange erhebliche Schwierigkeiten (vom Hausverbot, bis zur Genehmigung von ABM-Stellen), bis der Verein bzw. ein Vertreter dann 1995 in den Ausländerbeirat gewählt wurden.  

 

Dieselben Schwierigkeiten hatte der Verein auch beim Versuch Mitglied eines Wohlfahrtsverbandes zu werden, was erstmals 1997 rundweg mit dem Argument abgelehnt wurde, dass der Solidaritätsbund gegen das Rechtsberatungsgesetz verstoße.

An dieser Stelle sei kurz darauf hingewiesen, dass der Verein eng mit einer Rechtsanwältin zusammenarbeitet. Im Rahmen der Beantragung eines Modellprojekts wurden vom Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Diese kommen zu dem Ergebnis, dass seine Tätigkeit – die Sozialberatung – mit dem Rechtsberatungsgesetz in Einklang steht.

Nach der Wahl in den Ausländerbeirat beruhigten sich zwar die Auseinandersetzungen um die Sozialberatung, es bahnten sich jedoch – sozusagen auf höherer Ebene – weitere Konflikte mit der Stadtverwaltung an.  

Aus Sicht des Solidaritätsbundes stellt sich dieser Konflikt wie folgt dar: Der Vertreter des Solidaritätsbundes versuchte im Ausländerbeirat migrationspolitische Themen einzubringen, die in der Form in diesem Gremium bis dato nicht behandelt worden waren. Er sparte auch nicht mit Kritik an der deutschen und der Kölner Migrationspolitik, was ebenfalls im Ausländerbeirat ein Novum war. Es kam jedenfalls auf den Beiratssitzungen mehrmals zum „Eklat“ (Kölner Stadtanzeiger v. 10.02.2000) und einmal zum Ausschluss von einer dieser Sitzungen. Das hatte negative Folgen für den Verein. War der Solidaritätsbund 1995 noch in die Förderung für Ausländerzentren aufgenommen worden, wurden ihm 1997 als einziger Migrantenselbstorganisation die Mittel gekürzt und im Jahr darauf ganz gestrichen. Auch dies war ein Novum in der Geschichte der Migrantenselbstorganisationen in Köln.

Der emanzipatorische Ansatz der Arbeit des Solidaritätsbundes setzt auf die Stärkung der Handlungskompetenz, auf die Ressourcen der Menschen, die in die Bundesrepublik Deutschland einwandern und auch nach Köln kommen. In diesem Sinne trägt der Verein nicht nur zu Konfliktlösungen im Stadtteil bei, sondern steht für das Gelingen eines Integrationsmodells, das auf Handlungsfähigkeit und Partizipation fußt. Dieses Integrationsmodell aber „stellt eine Herausforderung für das demokratische Gemeinwesen dar.“

 

 

 

 

 

 

Offene Sprechstunde:

Vom 31.07. - 16.08.2017 hat der Solibund Sommerpause. Währenddessen keine Büro- und Sprechzeiten.

zu diesen Zeiten sind Beratungen ohne Termin möglich:

Tü - in türkischer Sprache
Ru - in russischer Sprache
De - in deutscher Sprache

Mo

9:00 - 12:30 Uhr Tü,Ru,De

Di

keine offene Sprechstunde

Mi

keine offene Sprechstunde

Do

keine offene Sprechstunde

Fr

9:00 - 12:30 Uhr   Tü,De

Bürozeiten:

Unser Büro ist zu diesen Zeiten besetzt. Termine außerhalb der Bürozeiten sind nur in Ausnahmefällen möglich.

Mo - Do

8:30 - 18:00 Uhr

Fr

8:30 - 21:00 Uhr

So können Sie mit uns Kontakt aufnehmen:

Nutzen Sie unser Kon­takt­for­mu­lar

 

 

Anerkennungen

  • gemeinnütziger Verein
  • Träger der freien Kinder & Jugendhilfe
  • Interkulturelles Zentrum
  • Mitglied der Paritätischen NRW
  • Mitglied des Paritätischen Jugendwerks NRW
  • Familientreff
  • Frauentreff
  • Sozialberatung
  • Rechtsberatung
  • Seniorenhilfe
  • Behindertenhilfe
  • Ehrenamtliche Bildungsbeauftragte 
Folge uns auf Facebook

 

Folge uns bei Twitter

 

 Impressum

© Solibund e.V. 2017